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Besondere Bestattungsarten: Reerdigung und Promession – was ist das?

Ökologische Bestattungen liegen im Trend. Wer diesen Gedanken konsequent zu Ende denkt, wird bei der Recherche auf zwei ungewöhnliche – und eventuell auch gewöhnungsbedürftige – Möglichkeiten der Bestattung stoßen: die Reerdigung und die Promession. In diesem Artikel erfahren Sie mehr über die beiden Bestattungsarten, deren Umsetzung jedoch derzeit noch sehr eingeschränkt ist.

Ökologische Bestattung – weitergedacht

Von Baumbestattung bis Seebestattung gibt es inzwischen viele Möglichkeiten, eine Bestattung nachhaltig zu gestalten. Für all diejenigen, denen das nicht weit genug geht, wurden zwei weitere Verfahren entwickelt, die allerdings noch relativ neu sind und einen radikaleren Ansatz verfolgen – die Reerdigung und die Promession.

Reerdigung: In 40 Tagen zurück zur Natur

Bei der Reerdigung, entwickelt vom Berliner Start-up Meine Erde, werden die Vorgänge, die nach einer „normalen“ Erdbestattung ablaufen, beschleunigt. Dafür wird der Körper des Verstorbenen in ein besonderes Behältnis, den so genannten Kokon, eingeschlossen. Dieser Metallsarg wird ausschließlich mit pflanzlichen Materialien wie Grünschnitt oder Stroh gefüllt und kommt komplett ohne Chemikalien aus.

Eingehüllt in dieses Bett aus Pflanzen, wird der Körper im Kokon die gesamte Zeit sanft hin und her bewegt und belüftet. Nach 40 Tagen wird der Kokon geöffnet und offenbart Knochen und Erde – denn der Leichnam ist in dieser Zeit von körpereigenen Mikroorganismen fast vollständig in Erde verwandelt worden. Durch die optimalen Bedingungen im Kokon wird dieser natürliche Zersetzungsprozess, der im Erdgrab 2 Jahre oder länger dauern kann, extrem beschleunigt.

Die Knochen werden zusammen mit der Erde verfeinert und bilden deren mineralischen Anteil. Die so entstandene Erde wird anschließend im Rahmen einer Beisetzung unter einer Schicht Friedhofserde in einer Grabstelle verstreut und kann von den Hinterbliebenen genauso gepflegt werden wie ein herkömmliches Grab.

Die Kosten für eine Reerdigung liegen nach Angaben des Anbieters bei ungefähr 3.000 Euro. Bei der Umsetzung gibt es allerdings eine Einschränkung: Schleswig-Holstein ist aktuell (Stand: Januar 2024) das einzige Bundesland, in dem eine Reerdigung möglich ist, da in Deutschland in der Regel nur die beiden Bestattungsformen Erdbestattung und Feuerbestattung erlaubt sind. Die durch eine Reerdigung entstandene Erde darf aber auch in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern beigesetzt werden.

Promession: Die Hightech-Beerdigung

Bisher weit von der Realisierung entfernt ist ein zweites Verfahren, die Promession. Bei dieser Hightech-Methode, die von der schwedische Biologin Susanne Wiigh-Mäsak entwickelt wurde, wird Kryotechnik eingesetzt. Der Leichnam des Verstorbenen wird zunächst bei -18°C eingefroren und anschließend in einem herkömmlichen Sarg in ein -196°C kaltes Stickstoffbad getaucht und tiefgefroren. Bei dieser „Gefriertrocknung“ bleibt das organische Material erhalten, die Moleküle des Körpers werden aber so unbeweglich, dass er durch Vibration in winzige Granulate aufgelöst werden kann.

In einer Vakuumkammer wird diesen Überresten erst das Wasser entzogen, später wird noch vorhandenes Metall, zum Beispiel Zahnfüllungen und künstliche Gelenke, entfernt. Das verbliebene organische Material mit ungefähr einem Drittel des ursprünglichen Körpergewichts wird in einem kleinen Sarg, zum Beispiel aus Maisstärke, beigesetzt. Innerhalb der nächsten 6–18 Monate lösen sich alle menschlichen Überreste vollständig auf und wandeln sich in Humus um. So geht der Körper schließlich vollständig in der Natur auf, ohne dass durch eine Verbrennung CO2 freigesetzt wird oder Metallteile das Grundwasser kontaminieren.

Die Promession ist zwar in verschiedenen Ländern weltweit patentiert worden, bisher allerdings ein theoretisches Konstrukt geblieben, da es bis heute keine Anlagen zur praktischen Anwendung gibt. Deshalb sind auch keine realistischen Kostenschätzungen möglich.

Nachhaltig beisetzen – das ist möglich

Während Reerdigung und Promession bisher also in weiten Teilen noch Zukunftsmusik sind, lässt sich eine ökologische Bestattung – zum Beispiel durch nachhaltige Materialien und regionale Produkte – heute schon realisieren. Auch Friedhöfe folgen immer häufiger dem Gedanken der Nachhaltigkeit: Da mehr und mehr Urnenbestattungen vorgenommen werden, sind auf vielen Friedhöfen große Freiflächen entstanden. Derzeit laufen Modellprojekte, in deren Rahmen diese renaturiert werden. So werden große Blumenwiesen gepflanzt, oder man bietet mit Gestrüpp und alten Grabsteinen ideale Nistplätze und Wohnraum für heimische Tiere. In einer solchen Umgebung die letzte Ruhestätte zu finden, ist ein schöner – und nachhaltiger – Gedanke.

Autorin:
Marina Reiter
Bildquelle:
pixabay.com

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